Der 4. Chemozyklus beginnt

 

und ist damit der letzte von vier anberaumten Zyklen.

 

Wenn ich Glück habe, kann ich in ca. sechs Wochen

 

und nach einem aussagekräftigen CT sagen:

 

ich habe es "vorerst" geschafft.

 

 

 

(¯`·.·´¯)  
        `·.,,(¯`·.·´¯)  
        (¯`·.·´¯),.·´   
  `·.,,.·´  

 

 

 

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26.07.2010 - Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg

 

Nach einem erlebnisreichen Wochenende geht es heute wieder zur Blutbildkontrolle. Auf dem Weg zum Onkologen mache ich noch schnell einen Zwischenstopp bei der Hausärztin, um eine Kopie der Blutwerte von letzter Woche abzuholen (zur Abgabe beim Onkologen). In der Onkologen-Praxis ist die Hölle los; am ersten Tag nach dem 2-wöchigen Urlaub geben sich die Patienten die Klinke in die Hand und ich muss fast eine Stunde auf meine Blutabnahme warten. Nach kurzer Wartezeit bekomme ich das (für mich) erfreuliche Ergebnis: Leukos 4.900, HB-Wert 10,5. Eine zusätzliche Blutprobe soll weggeschickt und der Kreatinin-Wert bestimmt werden; eine Prüfung des Nierenwertes, bzw. Prüfung, ob meine Nieren das Cisplatin tolerieren. Morgen Nachmittag soll ich wegen dem Ergebnis in der Praxis anrufen und nachfragen; wenn alles okay ist, findet übermorgen (Mittwoch) die erste Chemogabe des 4. Zyklus statt.

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27.07.2010 - "Der Kreatinin-Wert ...

 

... ist in Ordnung", erfahre ich per Telefon und damit steht endgültig fest: morgen findet die Chemo statt. Obwohl ich mich freue, dass es schon weiter geht, kommt doch keine rechte Freude auf und ich vergammele irgendwie den ganzen Tag. Ich weiß nicht warum, aber ich bin einfach nur müde und lustlos. Wenn ich morgen nach der Chemo nach Hause komme, stelle ich wahrscheinlich wieder die ganze Bude auf den Kopf, weil ich "gedopt" bin. :-))

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28.07.2010 - Vierter Chemozyklus / erste Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

Geschafft; die erste "große" Chemo des vierten Zyklus ist in der üblichen Art und Weise durchgelaufen.  Heute muss ich leider über  1 Stunde auf mein "Nachhause-Taxi" warten und bin erst kurz vor 14:00 Uhr daheim. Sehr müde und lustlos mache ich mir ein Fertig-Essen warm und löffle es beim Fernsehen in mich hinein; der Rest des Tages plätschert wieder einfach so dahin. Mir geht es zwar relativ gut, aber ich bin total faul und müde;  mit Mühe und Not aktualisiere ich mein Tagebuch und verziehe mich dann auf die Couch. Morgen ist auch noch ein Tag ... :-))

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29.07.2010 - Der Tag danach (gedopt durch die Giftspritze?)

 

Ich fühle mich heute, einen Tag nach der großen Chemo, erstaunlich gut und mache mich gleich morgens "an die Arbeit" (ich muss es schließlich ausnutzen, wenn ich Lust und Kraft dazu habe). Nach dem Frühstück und Joachims "Abreise" ins Büro geht es los: Betten machen, Wohnung saugen, Geschirr (wir haben keine Spülmaschine), Wäsche sortieren, Hemden waschen und aufhängen, Blumen gießen inklusive Balkon und Hausflur, wichtige Telefonate, diverser (unaufschiebbarer) Schriftkram, Mails beantworten, Homepage aktualisieren. *ufff*

... und jetzt mache ich mich an meine nächsten Bilder vom Karbener Wald; der Monat Mai ist dran. In diesem Monat haben wir ungewöhnlich viele Spinnen entdeckt und fotografiert. In den nächsten Tagen arbeite ich daran, diese Bilder "Web-fein" zu machen und endlich in die Homepage einzustellen. Eine kleine Auswahl ist auch hier zu sehen (-> Bilder 19-21).

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03.08.2010 - "Erledigungs-Tag" und Blutbildkontrolle in Bad Homburg

 

Nach einem "faulen" langen Wochenende (einschließlich Montag) steht heute ein Erledigungs-Tag an. Zuerst geht es zu meiner Hausärztin in Karben, um ein Rezept für Magenschutz-Tabletten und den monatlichen "Auszahlungs-Schein" für die Krankenkasse abzuholen, was innerhalb von ein paar Minuten erledigt ist. Danach geht es weiter zum Onkologen nach Bad Homburg: die Blut- abnahme  und die Ermittlung der Blutwerte geht phänomenal schnell: 10 Minuten nach Ankunft in der Praxis stehe ich schon wieder auf der Straße, noch dazu  mit einem relativ erfreulichen Ergebnis (Leukos 3.400, HB-Wert 10,4), somit ist alles klar und morgen kann die zweite Chemogabe des 4. Zyklus "einlaufen".

Im Haus der Onkologen-Praxis befindet sich eine Apotheke; eine gute Gelegenheit, gleich das am Morgen erhaltene Rezept für die Magen-Pillen einzulösen. Gesagt getan. Das Medikament ist vorrätig und - oh Wunder - es ist keine Zuzahlung fällig . Positiv über- rascht mache ich mich auf den Heimweg. In Karben springe ich noch schnell zur Krankenkasse 'rein und gebe den Auszahlungs-Schein ab. Weil inzwischen mein Magen knurrt und ich "süße Gelüste" habe, ist der benachbarte Bäcker meine nächste Anlaufstelle und 2 leckere Kuchenstückchen wechseln den Besitzer. :-) Zuhause angekommen, wandern die süßen Leckereien zusammen mit einer großen Tasse Milchkaffee postwendend in meinen Magen. Ich fühle mich prima und mache mich gut gelaunt wieder an meine Bilder vom Karbener Wald.

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04.08.2010 -  Vierter Chemozyklus / zweite Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Der heutige Tag wird als "perfekt getimter Chemo-Tag" in die Annalen meines Tagebuchs eingehen ! Nach dem täglich üblichen Frühstück mit Obst und Kräutertee und Einnahme der zur großen Chemo verordneten Kortisontablette erscheint pünktlich um 7:30 Uhr meine Taxi-Fahrerin und auf der Fahrt zur Onko-Praxis unterhalten wir uns angeregt und kurzweilig.  Im Chemo-Raum habe ich wieder "meinen" Liegestuhl in der Ecke, damit meine langen Beine keinem Vorbeigehenden in die Quere zu kommen. Das Anlegen der Braunüle klappt heute gut und die Kochsalzlösung, versetzt mit Kalium ist schnell durchgelaufen, danach gibt's die übliche Entwässerungsspritze und dann ist Klo-Lauferei angesagt, um die eingelaufene Durchspül-Flüssigkeit wieder los zu werden. Anschließend wird das Cisplatin angehängt und läuft innerhalb von knapp 1,5 Stunden durch. Nach dem Cisplatin ist wieder ein Beutel Kochsalzlösung dran und danach ein kleiner Beutel Vinorelbine, der circa eine halbe Stunde läuft, zum Schluss wieder Kochsalzlösung; nach gut 4 Stunden und 5 Toilettengängen ist alles vorbei. Ich fühle ich mich topfit und merke momentan nichts von dem "Gift" in meinem Körper. Abschließend bekomme ich noch den Termin für nächste Woche zur Blutbildkontrolle, einen neuen "Taxi-Schein" für meine Fahrerin und den obligatorischen "Wohlfühlschein" zum Ausfüllen fürs nächste Mal Chemo. Um 12:20 Uhr verlasse ich die Praxis und laufe direkt meinem Taxi vor den Kühler, das pünktlich zur zwischenzeitlich telefonisch vereinbarten Zeit ankommt und mich wohlbehalten nach Hause bringt. Um 12:45 Uhr schließe ich die Wohnungstür auf ... so früh war ich nach der großen Chemo noch nie zu Hause !

Lust zum Kochen habe ich heute keine, deshalb mache ich mir ein paar belegte Brote

und einen großen Milchkaffee und setze mich vor die Glotze. Es ist Herrlich:

Essen, trinken, nix denken und einfach nur faul 'rumliegen; mir geht es gut und ich genieße diese

kleinen leiblichen Genüsse. Heute mache ich nix Weltbewegendes mehr ...

nur faul sein und tagträumen ist auch mal schön.  :-))

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05.08.2010 - "Tag danach" ... was ist das ? 

Mir geht es heute Morgen, trotz der gestrigen großen Platin-Chemo, blendend; ich bin also wieder "gedopt" und deshalb beschließe ich spontan, heute etwas für meine durch die Chemo lädierten Fingernägel zu tun. Nach dem Frühstück mache ich telefonisch  einen  Termin im Nagelstudio und  anschließend  verabrede ich mich mit meinem 86-jährigen  Vater  zum anschließenden  Mittagessen.  Ich möchte  ihm  mal wieder  etwas  Gutes  tun,  denn  in den  vergangenen Wochen konnten wir uns nur selten sehen, da ich wegen meiner "schlechten" Leukos oft zu Hause bleiben musste. Das kommende Wochenende und die darauf  folgende Woche  wird der Blutwert  durch die vorangegangene  Platin-Infusion wahrscheinlich wieder schlechter, sodass ich die Gelegenheit heute nutzen will, ein paar schöne Stunden mit ihm zu verbringen und uns beiden ein gutes Essen in einem Lokal seiner Wahl gönnen.

Die Planung steht und ich starte durch: Haare stylen (inzwischen habe ich mich an meine neue, flotte Kurzhaarfrisur gewöhnt), schick anziehen und los geht es ins Nagelstudio. Meine "Nageltante" ist hellauf begeistert von meiner neuen Frisur und macht mir tolle Komplimente, wie gut ich aussehe und wie klasse mir die Frisur steht ... das geht 'runter wie Öl !!! Nach einer Stunde und einem angeregten Plausch verlasse ich hochzufrieden den Salon, flitze noch schnell wegen Kontoauszügen bei der Bank vorbei, spendiere meiner Armbanduhr eine neue Batterie (sie hatte vor 2 Wochen den Dienst quittiert) und dann ist es schon Zeit, bei meinem Daddy aufzutauchen, der in dem telefonisch vereinbarten Lokal auf mich wartet. Wir beiden Hübschen treffen gleichzeitig vor dem Lokal ein (Pünktlichkeit liegt wohl in der Familie) und dann kann es losgehen. Wir gönnen uns ein komplettes Menü samt Suppe und Salat und brechen nach 2 Stunden und einem wirklich sehr leckeren Essen wieder auf. Ich fahre meinen Papa nach Hause, verabschiede mich und fahre dann direkt heim. Der späte Nachmittag und Abend gehören meinem PC ... mein Tagebuch wartet wie immer auf Aktualisierung.

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06.08.2010 - Vorbereitung auf's Wochenende

 

Ich bin immer noch "high" und es geht mir super gut. Schon morgens um 5:00 Uhr habe ich ausgeschlafen, obwohl ich erst um Mitternacht ins Bett gegangen bin. Da für mich während der Woche eh um 5:30 Uhr der Wecker klingelt, stehe ich auf und verkruschele die letzte halbe Stunde leise im Bad. Joachim wecken, Frühstück machen, gemeinsam frühstücken, Männe ins Büro schicken, Haushalt ... das übliche Wochentags-Programm läuft ab. Am späten Nachmittag geht's dann zum wöchentlichen Lebens-mittel-Großeinkauf und danach kehrt Ruhe und Entspannung ein und wir planen, was wir am Wochenende machen wollen. Heute fällt die Planung recht kurz aus: wir wissen nicht, was wir unternehmen können, denn beim Einkaufen bin ich umgeknickt und jetzt schmerzt mein Knöchel höllisch. Wenn das morgen früh nicht besser ist, wird es nix mit einer Fototour. *grmpf*   Na, mal sehen ...

 

Ich  wünsche  allen  meinen  treuen  Freunden  und  Lesern  des  Tagebuchs  ein  schönes,  schmerzfreies  Wochenende. Tschüüß !

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09.08.2010 - Vom Wochenende ...

 

... habe ich heute, Montag, ganz schön Muskelkater !! Noch am Freitag Abend und am Samstag früh schmierte Joachim meinen Knöchel mehrfach mit seiner "Wundersalbe" ein und die Schmerzen verflogen tatsächlich fast ganz, sodass wir uns am Samstag Vormittag entschlossen, einen Foto-Ausflug in den Opel-Zoo zu machen. Nach einem leckeren Mittagessen in einem australischen Restaurant (Känguruh- und Emu-Fleisch mit Salat und Baguette) ging es ab in den Taunus zum Opel-Zoo, wo es dann stundenlang zu Fuß bergauf und bergab an Tiergehegen vorbei ging, immer den Fotoapparat im Anschlag ... jetzt habe ich tierischen Muskelkater (im wahrsten Sinne des Wortes). Samstag Abend war ich dann so erschlagen, dass ich zu nix mehr fähig war und auch am Sonntag konnte mein "Sklaventreiber" mich nicht dazu bewegen, auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen. Der heutige "blaue" Montag ist ganz nach meinem Geschmack ... nicht viel bewegen (meine Wadenmuskeln danken es mir) und am PC die Bilder vom Wochenende bearbeiten.

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10.08.2010 - Wieder einmal "Leukozytenalarm"  :-))

Schon beim Aufstehen am Morgen habe ich das "komische" Gefühl, dass wieder  eine Chemopause angesagt ist; irgendwie bin ich schlapp und kurzatmig (von meinem Muskelkater mal abgesehen). Nach dem Frühstück setze ich mich in mein Auto'chen und fahre nach Bad Homburg zur Blutbildkontrolle. Mein Gefühl hat mich nicht getäuscht, denn die Leukos stehen bei 1.500 und der HB-Wert bei 9,7. Onkodoc verfügt, wie vermutet, eine Pause bis nächste Woche ... dann sehen wir weiter. Wir besprechen gleich noch die weitere Vorgehensweise (nach der Chemo): Mitte September ein Thorax-CT mit Kontrastmittel, AHB beantragen (den Antrag bekomme ich gleich mit, ebenso eine Überweisung für das CT im September) und  direkt nächste Woche ein vollständiges Blutbild (inklusive Tumormarker, Schilddrüsenwert usw.). Ganz zufrieden begebe ich mich auf den Nachhauseweg. Daheim angekommen, mache ich mir eine Kleinigkeit zu Essen und dann tue ich es dem Erdmännchen auf meinem Bild gleich: relaxen und abwarten, bis sich die Leukos und meine "Opel-Zoo-Waden" wieder erholt haben.

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13.08.2010 - Freitag, der 13te ...

 

... ist heute und mir geht es körperlich bis auf die übliche "Schlappheit" und relativ starke Kopfschmerzen ganz gut. Schon gestern Nachmittag brummte mir der Schädel so unangenehm, dass ich eine Kopfschmerztablette nehmen musste. Im Laufe des gestrigen Abends gaben sich die Schmerzen, aber nur, um in der Nacht wieder aufzuflammen. Jetzt, am frühen Morgen, sitze ich hier und mir schwirren viele Gedanken durch den Kopf, die ich eigentlich gar nicht haben will ! Im Netz habe ich mehrere Beiträge über die Angst gelesen und mich in einigen Artikeln wiedererkannt. Ja, Angst habe ich auch hin und wieder, aber meistens erlaube ich den Angstmonstern nicht, in meinen Gedanken herum zu spuken; heute allerdings (vielleicht sind  die Kopfschmerzen nicht ganz unschuldig?) wollen diese Biester einfach nicht verschwinden. "Vor was habe ich eigentlich Angst ?"  frage ich mich selbst und die Antworten kommen postwendend: Angst, dass der Krebs nicht ganz eliminiert ist und bald Metastasen in anderen Organen auftauchen.  Angst, dass bei der nächsten Kontrolle am 15. September wieder Tumore in der Lunge gefunden werden. Angst, dass der Krebs ins Gehirn gewandert ist oder noch wandert (was mein Adenokarzinom gerne macht). Angst, dass vielleicht Knochen- metas in meine "Rheumaknochen" kriechen, die sowieso schon nicht die besten sind und letztendlich auch Angst, dass ich den in ein paar Wochen geplanten Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht packe. Derzeit kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, mich täglich stundenlang dem Bürostress auszusetzen. Schluss jetzt mit dem Kopfkarussell !! Ich rufe mich zur Ordnung: das wäre doch gelacht, wenn mich solche Gedanken in Angst versetzen könnten.  Gleich nehme ich noch eine Kopfwehpille und dann mache ich mich wieder an die Bilder vom Opel-Zoo; heute will ich damit fertig werden. Wenn ich die süßen Erdmännchen sehe, verfliegen bestimmt die Angstmonster und machen guter Laune und Freude auf das sonnige Wochenende Platz ... das wünsche ich auch allen meinen Freunden und treuen Besuchern meiner Homepage !  <3 <3 <3

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17.08.2010 - Blutbildkontrolle in Bad Homburg ... gibt es morgen Chemo ?

 

Schon am vergangenen Wochenende, beim Spaziergang im Wald, hatte ich den Eindruck, dass ich immer noch nicht ganz fit für die nächste Chemo bin; irgendwie fühle ich mich "schlapp". Heute bei der Blutbildkontrolle bestätigt sich das Gefühl: die Leukos stehen nur bei 1.600 und der HB-Wert bei 10,1 ... die Chemo fällt also morgen, wie schon letzte Woche, aus ! Eigentlich bin ich ganz froh darüber, denn seit ein paar Tagen habe ich Schmerzen im Unterkiefer und die rechte Backe ist ein bisschen angeschwollen; zusätzlich ist mein rechtes Augenlid entzündet. Jetzt habe ich eine Woche Zeit, diese beiden Baustellen auszukurieren und das ist gut so. Zurück zu Hause, esse ich eine Kleinigkeit und mache es mir auf dem Sofa bequem ... mein Tagebuch muss warten bis morgen; ich bin zu faul und lustlos, um mich vor den Computer zu setzen.   

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18.08.2010 - Faulenzertag auf der Couch


Irgendwie kriege ich gerade nichts auf die Reihe. Ich bin müde, lustlos, schlapp ... fast depressiv. Menschenskinder ! Christa, reiß' dich zusammen ! So kurz vor Ende der Chemo kann man doch nicht so einfach "aufgeben". Okay, heute jammere ich mal ein bisschen, aber dann ist Schluss und ich bin wieder stark ! Gegen Abend mache ich mich an die letzten Bilder des Opel-Zoos. Endlich fertig damit; jetzt geht es wieder in den Karbener Wald.

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21. und 22.08.2010 - Ein "denkwürdiges" Wochenende

An diesem Wochenende ist der Samstag unser Großeinkaufs-Tag und wir fahren nach dem Frühstück in den Großmarkt. Nach dem Einkauf folgt der obligatorische Cappuccino mit einem Stück Obstkuchen. Am späten Nachmittag fahren wir nach einem ausgiebigen Mittagessen zum Luisenpark nach Mannheim. Dort findet am Abend  wieder ein großes Spektakel statt: Ballonglühen. Bei dieser Veranstaltung waren wir schon im letzten Jahr (Klick hier) und fanden es ganz klasse. Auch dieses Jahr ist die Veranstaltung ein voller Erfolg. Bis kurz vor Mitternacht sitzen wir im Luisenpark auf der Wiese und schauen den Ballonfahrern und ihren glühenden Ballons zu; ein tolles Erlebnis.

Auf der Rückfahrt im Auto dann die Nachricht: Christoph Schlingensief ist seinem Krebsleiden erlegen ... mit 49 Jahren. Es trifft mich wie ein Keulenschlag ! Er hatte im Januar 2008 seine Lungenkrebs-Diagnose bekommen (ein Adenokarzinom wie ich) und hat diese Erstdiagnose nur um 2,5 Jahre überlebt, weil der Krebs nach der OP mehrfach zurückgekommen war und er zum Schluss noch mit Kopfmetastasen zu kämpfen hatte. Wenn ich das auf mich übertrage, dann habe ich jetzt noch etwas mehr als 1,5 Jahre ... Der Sonntag vergeht mit Grübeln und Gesprächen mit Joachim. Er versucht, mich auf andere Gedanken zu bringen, aber so ganz gelingt es ihm nicht; der Tod von Christoph Schlingensief will mir einfach nicht aus dem Kopf gehen ... er hat um sein Leben gekämpft wie ein Löwe und hat am Ende doch verloren. Ich wünsche ihm, dass es ihm dort gut geht, wo er jetzt ist.

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24.08.2010 - Blutbildkontrolle in Bad Homburg 

 

Heute fühle ich mich körperlich relativ fit und die Blutbildkontrolle bestätigt es: die Leukos stehen  bei guten 4.600 und der HB-Wert bei 11,2 ... die Chemo findet also morgen statt ! Meine beiden "Baustellen" (Unterkieferschmerzen , dicke rechte Backe und das entzündete rechte Augenlid) sind schon fast wieder normal und deshalb freue ich mich, dass die vorletzte Chemo jetzt endlich laufen kann. Bei der Sprechstundenhilfe reklamiere ich noch ein fehlendes Formular bei den AHB-Antragsunterlagen und sie verspricht, es mir bis nächste Woche zu besorgen, damit ich den Antrag losschicken kann; die Unterlagen (Befunde) vom Onkologen bekomme ich heute schon mit. Auf der Rückfahrt nach Hause entschließe ich mich spontan, meinen Arbeitskollegen einen kleinen Besuch abzustatten und mit ihnen Mittag zu essen. Mit großem Hallo werde ich begrüßt und wir schwätzen, essen und lachen zusammen. Nach 2 Stunden verabschiede ich mich gut gelaunt; ich muss schnell heim, da ich am Nachmittag noch einen Zahnarzttermin habe und noch zu Hause Zähne putzen muss. Gesagt, getan. Beim Zahnarzt ...  das Übliche ... danach geht es wieder nach Hause. Gleichzeitig mit Joachim treffe ich vor unserer Wohnung ein. Der Feierabend kann beginnen. <3 <3 <3

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25.08.2010 - Vierter Chemozyklus / dritte Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Heute gibt es die "kleine" Chemo und ich bin pünktlich um 10:30 Uhr in der Praxis. Das Legen der Braunüle am rechten Arm klappt nicht und tut fürchterlich weh, deshalb muss mal wieder der linke Arm dran glauben. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass es das vorletzte Mal ist, lasse ich die Prozedur über mich ergehen. Nach knapp 2 Stunden ist alles vorbei und mein Taxi bringt mich zur vereinbarten Zeit nach Hause. Am Nachmittag bekomme ich ganz unerwartet Post von einer lieben Freundin: ein Paket mit einem großen Schutzengel, den sie mir von einem Urlaub auf Usedom mitgebracht hat. Beim Lesen ihres Begleitbriefes kommen mir die Tränen, so gerührt bin ich. Barbara, ich danke dir von ganzem Herzen. Wegen der Chemo bin ich ein bisschen müde und mache es mir auf der Couch gemütlich. Gegen Abend setze ich mich an den Computer und stöbere im Internet. So richtig bei der Sache bin ich nicht, denn der Tod von Christoph Schlingensief macht mir immer noch zu schaffen. Am Abend versucht Joachim, mich auf andere Gedanken zu bringen ... er schafft es leider nicht gänzlich ...

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26.08.2010 - Vorbereitungen auf Bremen-Besuch; gedopt geht es gut !

 

Wir haben uns entschlossen, am Wochenende meine Schwiegereltern in Bremen zu besuchen, deshalb habe ich heute Haushalts-Großkampftag. Nachdem die Küche und das Bad geputzt sind, Essen vorgekocht und einiges an Post und Bürokraten-Kram erledigt ist, mache ich mich an meine "Hausaufgabe": eine Excel-Liste (Tankbuch) für Joachim erstellen. Mein lieber Göttergatte hat mich darum gebeten und dem liebsten aller Ehemänner kann ich doch nichts abschlagen ! :-)) Am Abend löffeln wir dann genüsslich den leckeren Gemüseeintopf, den ich am Vormittag vorgekocht habe. *mmmhhh*   Morgen (Freitag) werden wir noch letzte Vorbereitungen treffen und dann geht es am Samstag ganz früh los nach Bremen.  Ich freu' mich schon sehr auf meine Schwiegereltern (die ich jetzt fast ein Jahr nicht gesehen habe), den großen Garten und auf unsere Canasta-Abende. Am Montag geht's wieder zurück nach Hause.

Ich  wünsche  allen  meinen  treuen  Freunden  und  Lesern  des  Tagebuchs  ein  schönes,  regenarmes  Wochenende. Bis dann ...

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30.08.2010 - Verlängertes Wochenende in Bremen

 

Das lange Wochenende in Bremen war, bis auf das Wetter, wunderschön: lecker Fisch und Rouladen essen, selbst gebackenen Kuchen genießen, Schwätzchen halten, Karten spielen, Himbeeren im Garten pflücken und später mit Sahne als Dessert essen, riesige Tomaten ernten, Fotos anschauen ... drei prall gefüllte Tage, die viel zu schnell vergangen sind, aber von denen ich noch lange zehren werde. Hoffentlich können wir noch oft nach Bremen fahren und viel gemeinsame Zeit miteinander verbringen.

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31.08.2010 - Blutbildkontrolle in Bad Homburg 

 

Heute ist wieder "Erledigungstag" angesagt. Zuerst geht es zur Hausärztin: der Stempel für die Krankenkasse ist fällig, damit ich mein Krankengeld bekommen kann. Innerhalb von 2 Minuten ist das erledigt und ich mache mich auf den Weg nach Bad Homburg. Auch dort muss ich nicht warten und kann gleich ins Labor zum Blut abnehmen.  Die Leukos stehen  heute wieder bei guten 4.600 und der HB-Wert bei 10,6 ... also findet die letzte (!) Chemo morgen statt. Klasse !  Von der Sprechstundenhilfe erhalte ich noch das letzte Woche fehlende Formular (AHB-Antragsunterlagen) und ich bekomme von ihr den "Auftrag", alles bis morgen früh auszufüllen. Auf dem Nachhauseweg fahre ich noch bei der Krankenkasse vorbei und gebe meinen Krankengeld-Schein ab.  Den Nachmittag verbringe ich dösend auf der Couch; ich bin sehr müde und gebe dem Bedürfnis zu schlafen nach. Erst gegen Abend aktualisiere ich mein Tagebuch und mache meine "Hausaufgaben": Ausfüllen des AHB-Formulars.

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01.09.2010 - Vierter Chemozyklus / vierte (und somit letzte !!) Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Die letzte Chemo-Infusion ! Beschwingt mache ich mich per Taxi auf den Weg nach Bad Homburg und innerhalb einer guten Stunde ist auch die letzte Chemo-Infusion Schnee von gestern ... ein unbeschreibliches Gefühl ! Mit der MTA kläre ich noch die nächsten Termine ab (Blutbild in 10 Tagen, CT am 15.09.10, Arztgespräch am 20.09.10, Oberbauchsono und Blutbild am 11.11.10, Arzt- gespräch am 16.11.10). Du meine Güte; zum Glück gibt es Terminkalender, denn mein Chemohirn hätte nach ein paar Tagen echt Probleme, die ganzen Termine auf die Reihe zu kriegen. Die Assistentin und ich schauen noch gemeinsam auf meine ausgefüllten Formulare für die REHA/AHB (bravo ! alles richtig gemacht !) und dann ist es schon wieder Zeit, dass mein Taxi kommt und mich nach Hause bringt. Die Verabschiedung von "meiner" Taxifahrerin ist ein bisschen wehmütig, denn immerhin hat sie mich in den letzten Monaten insgesamt an 46 Tagen gefahren und wir haben uns in dieser Zeit immer angeregt unterhalten. Tschüß Frau Gxxx, ich bin gern mit Ihnen gefahren ! Den Nachmittag verbringe ich auf der Couch; ich bin müde und irgendwie schlapp und deshalb muss der Computer erstmal warten.

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02.09.2010 - Besuch bei der Lungen-Fachärztin und Fazit der Chemo-Therapie

 

Am sehr (!) frühen Morgen geht es um 6:30 Uhr los in Richtung Frankfurter Innenstadt zur Lungen-Fachärztin, um noch letzte Unterlagen für die AHB und ein paar Tipps zu besorgen. Nach einem Lungenfunktions-Test und einem ausführlichen Gespräch verlasse ich zufrieden die Praxis und fahre nach Hause.  Jetzt steht der endgültigen Beantragung der "REHA" nichts mehr im Wege.

 

Zum Abschluss der Chemo-Therapie kann ich das Fazit ziehen: die Nebenwirkungen der 5-monatigen Therapie haben sich wirklich in Grenzen gehalten. Ab und zu auftretende leichte Übelkeit war durch MCP-Tropfen gut in Schach zu halten; größere Magen-beschwerden konnten im Vorfeld schon durch Cortison-Gaben und Medikamente während der Infusionen verhindert werden. Die Haare sind, wie vorher versprochen, nicht gänzlich ausgefallen; sie sind zwar lichter geworden, aber da ich genug davon hatte, fällt es jetzt nicht auf, dass ein paar fehlen. Müdigkeit und Schlappheit gab es oft (und gibt es immer noch), aber das tut nicht weh und wenn ich müde bin, dann lege ich mich halt hin. Meine Fußsohlen kribbeln ein bisschen, aber dafür blieben die Hände vom Chemo-Kribbeln verschont. Kopfschmerzen gab es manchmal, aber sie konnten durch Tabletten gelindert werden. Ab und zu Durchfall, ab und zu Verstopfung ... eigentlich gar nicht erwähnenswert . Das waren im Großen und Ganzen die Nebenwirkungen bei mir.  Zu Beginn der Chemo-Therapie habe ich wahre Horrormeldungen gelesen und auch von anderen Patienten gehört, dass sie sich die Seele aus dem Leib gekotzt haben, die Haare sind komplett ausgefallen (teilweise sogar die Wimpern und Augenbrauen), Fuß- und Fingernägel haben sich abgelöst, Füße und Hände kribbeln noch Monate nach der Chemo, Magen-probleme,  Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Schleimhäute haben sich entzündet oder sind verpilzt und zu guter letzt Infektionen wegen der niedrigen Leukozyten.  Meine Güte, was hab' ich doch für ein Glück (im Unglück) gehabt.

 

Nächste Woche geht es mit "Nachsorge + REHA" und somit einer neuen Seite in meinem Tagebuch weiter; bis dahin verabschiede ich mich und wünsche meinen Freunden, Besuchern und treuen "Lesern" ein schönes Wochenende und alles Gute. Tschüß, bis nächste Woche !

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Fortsetzung ---> hier

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