Der 3. Chemozyklus beginnt

 

und damit die zweite Hälfte der Chemo-Therapie.

 

Die Nebenwirkungen nehmen zu, aber ich hoffe,

 

dadurch vergeht meinem Schalentier

 

der Spaß, in mir zu wohnen !

 

 

 

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01.06.2010 - Die Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg ...

 

... ist "kurz und schmerzlos". :-)  Ohne Wartezeit kann ich sofort ins Labor gehen und mir wird die übliche Menge Blut abgezapft. Nach circa 5 Minuten dann das Ergebnis: die Leukozyten sind bei 2.700 und der HB-Wert bei 9,4. Jetzt heißt es erstmal warten, was Onkodoc sagt. Kann Morgen der 3. Chemozyklus starten ? Die Soll-Werte für die Therapie liegen bei 3.000 Leukos und HB-Wert 10; mal sehen, ob ich Glück habe und die "Party" trotz der relativ schlechten Werte steigen kann !? Nach ein paar Minuten kommt die gute Nachricht: ja, morgen früh kann der 3. Chemozyklus beginnen.

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02.06.2010 - Dritter Chemozyklus / erste Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Nach dem üblichen Frühstück mit Obst und Kräutertee und Einnahme der verordneten Kortisontablette holt mich die Taxi-Fahrerin diesmal erst um 7:30 Uhr ab und wir fahren gut gelaunt nach Bad Homburg. Diesmal bin ich pünktlich da (also nicht wie sonst zu früh) und kann um kurz nach 8:00 Uhr direkt in den "Chemo"-Raum gehen. Heute habe ich einen Liegestuhl in der Ecke und kann meine langen Beine prima ausstrecken, ohne den MTA's in die Quere zu kommen. Das Anlegen der Braunüle klappt gut, da ich mich wegen der Venen-Stocherei (beim letzten Mal) entschieden habe, heute den anderen Arm für die Infusion zu nehmen (links). Die Kochsalzlösung, versetzt mit Kalium ist schnell durchgelaufen, danach gibt's die Entwässerungsspritze und dann geht wieder die Klo-Lauferei los, um die eingelaufene Durchspül-Flüssigkeit wieder los zu werden.  Anschließend wird das Cisplatin "angeschlossen" und läuft innerhalb von knapp 1,5 Stunden langsam durch. Nach dem Cisplatin ist wieder ein Beutel Kochsalzlösung dran und danach ein kleiner Beutel Vinorelbine, der circa eine halbe Stunde zum Durchlaufen benötigt, zum Schluss wieder Kochsalzlösung; nach gut 4,5 Stunden und 5 Toilettengängen ist alles vorbei. Ich fühle ich mich gut und merke momentan nichts von den Chemo-Wirkstoffen in meinem Körper. Abschließend bekomme ich noch den Termin für nächste Woche zur Blutabnahme (Tag vor der nächsten Chemo) und den "Wohlfühlschein" zum Ausfüllen (Aufstellung von eventuell aufgetretenen Nebenwirkungen). Um 12:45 Uhr verlasse ich die Praxis und warte auf der Straße auf mein Taxi, das pünktlich zur zwischenzeitlich telefonisch vereinbarten Zeit erscheint und mich nach Hause bringt.

Sicherheitshalber nehme ich ein paar MCP-Tropfen gegen Übelkeit und mache mir ein Fertiggericht (Hähnchengeschnetzeltes mit Gemüse und Bandnudeln). Sehr lecker !! Am späten Nachmittag setze ich mich an den Computer und erledige "Büroarbeit". Gegen Abend ist Haare waschen angesagt und ich bemerke mit großem Entsetzen, dass der Haarausfall weiter fortschreitet (Haare waschen und Heulen scheint derzeit zusammen zu gehören); in den nächsten Tagen werde ich wohl wieder im Perückenstudio vorstellig werden. Das Rezept habe ich ja schon eine Zeit lang in der Tasche und wenn der Fiffi erst angefertigt werden muss, dauert es ja dann nochmal 10-14 Tage, bis das gute Stück mein Haupt zieren kann...

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04.06.2010 - Perückenkauf bei "Gitte" in Bad Homburg

 

Joachim hat heute frei und deshalb fahren wir nach dem Mittagessen nach Bad Homburg ins Perückenstudio. Nach eingehender Beratung und dem Aussuchen einiger "Schnitte" und Haarfarben geht es ans Anprobieren. Die Laden-Besitzerin zaubert entgegen aller vorherigen Befürchtungen doch noch einige XL-Perücken für meinen "Riesen"-Kopf hervor und schon nach kurzer Zeit werden wir fündig: eine Kurzhaarfrisur mit langem Nacken, rötlich-braun mit wenigen helleren Strähnchen (wie echtes Haar und sehr natürlich) soll mein neuer Kopfschmuck werden. In den nächsten Tagen werde ich mir vom Friseur meine verbliebenen, immer noch überschulterlangen Haare stark kürzen lassen, damit der Übergang zur Perücke nicht ganz so krass wird. Komisch... irgendwie freue ich mich auf's Haare schneiden (hätte ich noch vor ein paar Tagen nicht gedacht).

Chemo-Therapie-mäßig geht's es mir erstaunlich gut. Den dritten Zyklus scheine ich besser zu verkraften als den zweiten. Wenn jetzt noch die Blutwerte etwas konstanter bleiben würden und ich ohne Zwangspause den Zyklus durchziehen könnte, das wäre echt klasse. Ich lass' mich überraschen. Jetzt ist erstmal Wochenende angesagt; schönes Wetter und Pläne für die Freizeit sind vorhanden und wenn's gefühlsmäßig so gut bleibt wie bis jetzt, dann steht einem schönen Wochenende nichts mehr im Wege !

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08.06.2010 - Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg

 

Nach einem schönen, verlängerten Wochenende ist heute wieder die Blutbildkontrolle dran. Pünktlich stehe ich beim Onkologen in der Praxis und werde nach einer halben Stunde Wartezeit endlich zum Blut abnehmen aufgerufen. Die Werte sind leider nicht so richtig prickelnd: 2.500 die Leukos und 8,8 der HB-Wert. Jetzt muss Onkodoc entscheiden, ob Chemo oder nicht; er entscheidet sich für "nicht", da die Werte für eine "große" Chemo-Infusion nicht ausreichen. Also heißt es wieder Mal: eine Woche Chemopause. Nächste Woche Dienstag soll ich wieder zum Blut abnehmen antreten... hoffentlich sind dann die Werte besser. Auf der Fahrt nach Hause nehme ich mir vor, mich heute noch um meine Haare zu kümmern (allerdings ist mir noch nicht so ganz klar, was ich genau will ... und Angst vor dem Ergebnis hab' ich außerdem). :-(

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11.06.2010 - Kraft tanken und erholen ... 

 

... kann ich (mich) am besten, wenn ich vor dem Computer sitze und meine Fotos anschaue, sortiere und bearbeite und dadurch wunderbar in Erinnerungen schwelge. Was habe ich also die letzten Tage und auch heute wieder gemacht ? Natürlich "Bild-bearbeitung" mit allem, was dazugehört. Auf meiner Festplatte liegen noch ca. 15.000 (fünfzehntausend !!) Fotos, die darauf warten, einsortiert und archiviert zu werden. Vorgestern habe ich endlich die Seite mit den Fotos eines 3-tägigen Duisburg-Besuches fertig gestellt. Wer Lust hat, kann hier mal schauen gehen: Duisburg. Heute habe ich mich an einen Bilderordner mit vielen schönen Schmetterlingsbildern aus der "Botanika" (Bremen) gemacht, der schon seit über einem Jahr auf die Bearbeitung wartet. Die Vorbereitungen zur Archivierung sind erledigt, ab jetzt geht's ans Aussuchen und Bearbeiten der Bilder für meine Homepage und die "fotocommunity". Das erste Bild ist heute eingestellt worden (Klick hier) und wenn alles fertig ist, wird die Seite Schmetterlingshäuser um einige Fotos reicher sein. 

Die Chemo-Pause tut mir anscheinend gut. Körperlich geht's mir einigermaßen; ein bisschen kraftlos und schneller müde als "normal", aber ansonsten okay (über meine Haare spreche ich demnächst *schnief*). Wenn ich vor dem Computer in meinen Fotos versinke, dann ist eh alles "im grünen Bereich". Jetzt freue ich mich erstmal aufs Wochenende und wünsche allen Freunden und Lesern ein gutes selbiges. :-))

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15.06.2010 - Besuch beim Lungenfacharzt in Frankfurt und Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg

 

Heute ist "Ärztetag". Nach einem Ausruh-Wochenende und einem geruhsamen Montag fahre ich früh morgens um 6:30 Uhr mit dem Auto los in die Frankfurter Innenstadt zur Lungenfachärztin. Nach 1,5 Stunden und guten Ergebnissen (Lungenfunktion seit Februar verbessert, Sauerstoff im Blut verbessert bzw. jetzt normal, CT-Bilder gemeinsam angeschaut und für gut befunden, Alvesco-Spray kann abgesetzt werden *freu*) verlasse ich die Praxis. In einem knappen Vierteljahr (Ende der Chemo-Therapie) soll ich wiederkommen und dann sprechen wir über die AHB, falls das beim Onkologen noch nicht passiert ist. Die Lungenärztin befürwortet eine AHB sehr und rät mir, diese unbedingt zu machen; ich werde ihrem Rat gern folgen. Von der Frankfurter Innenstadt geht es um kurz vor Neun gleich weiter nach Bad Homburg.  Ohne Wartezeit kann ich direkt ins Labor zum Blut abnehmen und nach 5 Minuten weiß ich es: die Chemopause geht weiter, denn die Leukos stehen auf 2.300 und das reicht für die Chemo nicht aus. Nächste Woche Dienstag wird wieder nach dem Blut geschaut, bis dahin soll ich es mir gut gehen lassen ... und das werde ich !

Zuhause angekommen, mache ich mir statt warmem Mittagessen ein paar belegte Brote und setze mich vor den Computer; das lenkt ab und macht Spaß, was will ich mehr ? Mehrere tausend Fotos wollen bearbeitet und archiviert werden und so kann ich "meinem" Krebs dann doch noch etwas Positives abringen: ich bekomme Zeit geschenkt, um meinem geliebten Hobby nachzugehen ... Zeit, die ich ohne dieses elende Schalentier nicht hätte (wegen Vollzeitjob). Es ist also alles mal wieder eine Sache der Betrachtungsweise. :-))

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21.06.2010 - Sommeranfang ... und ein paar Gedanken zum Krebs

 

Heute ist "Sommeranfang", aber das Wetter und die Temperaturen sagen etwas anderes. Gestern (Sonntag) waren wir im Luisenpark in Mannheim und haben neben einem großen Spaziergang auch ein paar Fotos gemacht. Alles in allem ein schöner Tag, aber wettermäßig nicht unbedingt das Gelbe vom Ei; es gibt schönere Wetterlagen. Es war fast ein wenig ungemütlich durch den kühlen Wind, der ab und zu über unsere Köpfe hinweg pfiff...

Heute Vormittag kann ich mich irgendwie nicht richtig auf meine "Arbeit" mit den Bildern konzentrieren; meine Gedanken sind ständig auf Abwegen. In einem Krebsforum, in dem ich lese und auch ab und zu schreibe, hat eine Leidensgenossin ein Thema aufgemacht, in dem sie beschreibt, dass sie trotz Lungenkrebs-Diagnose keine Therapie machen möchte und die letzten Monate ihres Lebens einfach nur noch "leben" will; vor allem Reisen in ferne Länder stehen auf ihrer Wunschliste und auf keinen Fall Krankenhausaufenthalte (OP, Bestrahlungen, Chemo). Da sie schon Metastasen in Leber und Knochen hat, ist ihre Prognose eher schlecht (nur noch wenige Monate) und irgendwie verstehe ich ja ihre Entscheidung, aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr denke ich, dass es nicht richtig ist, sich "kampflos" seinem Schicksal zu ergeben und mehr oder weniger "auf den Tod zu warten". Mein Respekt vor dem Leben, die Liebe zu meiner Familie und auch eine gewisse Wut auf diesen heimtückischen Feind gaben und geben mir gleichermaßen Kraft, die OPs und die Therapien durchzustehen. Beim Lesen der verschiedenen Kommentare und Antworten zu dem genannten Forums-Thema kamen mir mehrfach die Tränen, vor allem deshalb, weil ich an meinen Mann und seine aufopferungsvolle Fürsorge denken musste; ich hätte das Gefühl, seine/unsere Liebe nicht Wert zu schätzen, wenn nicht gar zu verraten, wenn ich  keine Therapie machen würde. Niemals könnte ich das tun ! Christoph Schlingensief, der im Jahr 2008 ebenfalls an Lungenkrebs erkrankt ist (auch ein Adenokarzinom wie bei mir), hat es mit seinem Buchtitel wunderbar ausgedrückt: "So schön wie hier kann's im Himmel gar nicht sein!" ... und er hat absolut recht !!!

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22.06.2010 - Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg


Bei wunderschönem Wetter fahre ich in der Frühe zum Onkologen; mal sehen, was mein Blut so macht. Innerhalb von 20 Minuten ist alles erledigt: Blut abgenommen, Leukos gezählt und Ergebnis erhalten: Leukozyten 4.100 und HB-Wert 9,7. Der HB-Wert ist zwar relativ niedrig, aber trotzdem gibt es grünes Licht für den morgigen Chemo-Cocktail. Wieder zuhause angekommen, esse ich eine Kleinigkeit und dann verschlafe ich den Rest des Tages (über 3 Stunden!) auf der Couch im Wohnzimmer. Ich bin ständig müde... was ist bloß los mit mir ? So kenne ich mich gar nicht, aber ich gönne meinem Körper die Ruhe, die er in letzter Zeit so vehement einfordert. Wie hat schon Scarlett O'Hara in  "Vom Winde verweht"  immer gesagt: "Morgen ist auch noch ein Tag."  :-)

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23.06.2010 - Dritter Chemozyklus / zweite Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Nach dem üblichen Frühstück mit Obst und Kräutertee und Einnahme der verordneten Kortisontablette werde ich vom Taxi abgeholt und nach Bad Homburg gefahren und kann um kurz nach 8:00 Uhr direkt in den "Chemo"-Raum gehen. Heute habe ich wieder "meinen" Liegestuhl in der Ecke und kann meine langen Beine ausstrecken, ohne den MTA's in die Quere zu kommen. Das Anlegen der Braunüle klappt gut; der linke Arm ist für die Infusion scheinbar besser geeignet als der rechte mit seiner geschlossenen Venenklappe (laut MTA). Die Kochsalzlösung, versetzt mit Kalium ist schnell durchgelaufen, danach gibt's die Entwässerungsspritze und dann geht wieder die Klo-Lauferei los, um die eingelaufene Durchspül-Flüssigkeit wieder los zu werden.  Anschließend wird das Cisplatin "angeschlossen" und läuft innerhalb von knapp 1,5 Stunden langsam durch. Nach dem Cisplatin ist dann der nächste Beutel Kochsalzlösung dran und danach ein kleiner Beutel Vinorelbine, der circa eine halbe Stunde zum Durchlaufen benötigt, zum Schluss nochmal Kochsalzlösung; nach gut 4 Stunden und 4 Toilettengängen ist es vorbei. Ich fühle ich mich sehr gut und merke momentan nichts von den Chemo-Wirkstoffen in meinem Körper. Abschließend bekomme ich noch den Termin für nächste Woche zur Blutabnahme (Tag vor der möglichen nächsten Chemo) und den üblichen "Wohlfühlschein" zum Ausfüllen. Um 12:15 Uhr verlasse ich die Praxis und warte auf der Straße auf mein zwischenzeitlich telefonisch angefordertes Taxi, das mich dann nach Hause bringt.

Mein Mittagessen ist heute spartanisch (belegte Brote), denn ich hab' keine Lust, mir was "Richtiges" zu machen. Die nächsten Stunden verbringe ich dösend auf der Couch; zwischendurch "füttere" ich die Waschmaschine und hänge Wäsche auf (mangels Trockner). Am Abend kocht uns Joachim vor dem Fußballspiel noch ein leckeres Essen (Fisch mit Gemüse) und dann freuen wir uns über das 1:0 gegen Ghana. "Schland" ist weiter ... :-))

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24.06.2010 - Der Tag danach ...

 

... und mir geht es erstaunlich gut. Morgens um 7:00 Uhr chauffiere ich meinen Mann zur Autowerkstatt, damit er sein repariertes Auto abholen und direkt weiter ins Büro fahren kann (die Klimaanlage musste gecheckt und aufgefüllt werden). Auf dem Rückweg nach Hause, es ist kurz nach 8:00 Uhr, fahre ich noch beim Supermarkt vorbei, kaufe ein und schleppe dann einen randvoll gefüllten Einkaufskorb und eine prall gefüllte Einkaufstüte in den dritten Stock zu unserer Wohnung (Aufzug gibt es keinen). Oben komme ich pustend, aber ohne "Pause" in den unteren Stockwerken zu machen an und bin stolz auf mich ! Im Chemo-Cocktail  scheint ein Dopingmittel gewesen zu sein !?  Der Rest des Tages verläuft geruhsam; Mittagessen kochen, 'rumtrödeln, am PC arbeiten ... alles geht seinen Gang. Um meine Haare kümmere ich mich morgen ... :-(

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29.06.2010 - Blutbildkontrolle ... gibt es morgen Chemo ?

 

Nach einem sehr schönen, sonnigen Wochenende mit zwei stundenlangen Waldspaziergängen (und deshalb vielen neuen Fotos aus dem Karbener Wald) fahre ich heute beschwingt und gut gelaunt nach Bad Homburg zum Onkologen. Innerhalb von 10 Minuten ist alles vorbei: die Chemo kann bei Leukos von 4.200 und HB-Wert 9,8 bedenkenlos stattfinden und ich soll mich morgen gegen 10:30 Uhr einfinden, denn die "kurze" Chemo ist dran, d.h. nur ein kleiner Beutel Vinorelbine  und die übliche Kochsalzlösung werden durch meine Adern fließen. Zurück zu Hause setze ich mich nach einem kleinen Imbiss gleich wieder an den Computer und stelle endlich die Seite mit den Fotos  aus diversen Schmetterlingshäusern fertig. Übrigens: meine Haare habe ich selbst um gut 20 cm gekürzt (jetzt schulterlang). Ich sehe irgendwie aus wie ein gerupftes Huhn, aber was soll's. Ein Friseurbesuch wäre echt schade um's Geld... :-)

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30.06.2010 - Dritter Chemozyklus / dritte Chemo-Infusion beim Onkologen in Bad Homburg

 

Unglaublich, aber nach einer guten Stunde habe ich es für dieses Mal geschafft; die "kleine" Chemo ist durch und mir geht es prima. Bis mein Taxi kommt, habe ich noch 20 Minuten Zeit und deshalb schlendere ich die Straße hoch zu einem "Eis-Italiener". Ein leckeres Eis schleckend laufe ich zurück zum Treffpunkt und warte auf mein Taxi, das genau "passend", als das Eis aufgegessen ist, erscheint und mich nach Hause bringt. Der Rest des Tages plätschert so dahin. Mir geht es zwar gut, aber ich bin total faul und müde und mache erst nach dem Abendessen den PC an, um mein Tagebuch zu aktualisieren. Morgen ist auch noch ein Tag ... :-))

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01.07.2010 - Chemo oder Doping ?

Ich glaube, Onkodoc hat mir was in die Chemo 'reingeschmuggelt ... fast den ganzen Tag habe ich geschuftet wie ein Berserker und es hat auch noch Spaß gemacht. Was ich alles gemacht habe ? Das komplette Schlafzimmer auf den Kopf gestellt ! Hier eine kleine Aufzählung in Stichworten: Fenster geputzt, Gardinen gewaschen, Betten abgezogen, Winterbetten gewaschen, Sommer-betten herausgeholt und bezogen, Matratzen abgesaugt, Bettkästen gereinigt, Schränke Staub gewischt, Fliesenboden gewischt. Mit einer kühlen Dusche am Nachmittag beende ich zufrieden, aber auch ein bisschen müde, den "Arbeitstag". Am Abend schaue ich noch schnell meine Mails durch und aktualisiere das Tagebuch; positive Energien müssen schließlich dokumentiert werden. :-)

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03. und 04.07.2010 - Zeckenalarm am Wochenende !!!


Da für Samstag das Wetter mit "heiß und sonnig" vorausgesagt war, waren wir am Morgen wieder in den Wald gefahren ... fotografieren, spazieren, Luft schnappen. Am Nachmittag gab es dann das sensationelle Fußballspiel gegen Argentinien; dass die deutsche Mannschaft dieses Spiel dominieren und 4:0 gewinnen würde, hätte ich nie geglaubt. Einfach toll.

Meine gute Wochenend-Laune hat am Sonntag einen Dämpfer bekommen: im Wald habe ich mir am Samstag gleich zwei  Zecken eingefangen, die wir am Sonntag erst entdeckt und sofort entsprechend gezogen und eliminiert haben. Ich schreibe "wir", aber eigentlich hat Joachim sie entdeckt, denn die erste Zecke war so frech, sich direkt am Schlüsselbein festzubeißen und wurde dabei natürlich von ihm gleich "ertappt". Wahrscheinlich war sie noch nicht lange dort, denn sie war noch winzig und ich selbst hatte sie weder Samstag Abend noch Sonntag Morgen beim Duschen/Abtrocknen gesehen oder bemerkt. Nach dem "Ziehen" des ersten Plagegeistes hieß es: ausziehen !! Mein Körper wurde von oben bis unten, von vorne bis hinten akribisch untersucht und prompt hat mein "Adleraugen"-Männe noch ein zweites "Untier" am linken Fuß, zwischen den Zehen (!) gefunden. Jetzt bin ich vom Wald erstmal eine Weile bedient. Es wundert mich ja, dass diese Viecher derzeit überhaupt an mich gehen; das Gift in meinem Blut scheint sie nicht zu stören. Vielleicht wären sie ja nach kurzer Zeit von selbst abgefallen ... vergiftet von der Chemo.   :-))

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06.07.2010 - Blutbildkontrolle beim Onkologen in Bad Homburg


So ein Mist ! Die kleine Chemo kann morgen nicht stattfinden, weil mein Blut wieder "schlecht" ist: Leukos  bei 1.900 / HB-Wert 8,8. Bei solchen Werten sagt Onkodoc "no Chemo". Nächste und übernächste Woche ist Onkodoc im Urlaub und ich muss zur Blut- bildkontrolle dann zu meiner Hausärztin. Ich bekomme noch ein Rezept für die Vinorelbine-Kapseln, die ich dann nächste Woche nehmen soll, wenn das Blut okay ist (Leukos mindestens 3.000) und einen Brief für meine HÄ, in dem die Instruktionen für die nächsten zwei Wochen stehen. Zuhause angekommen, knalle ich mich vor den Computer und beantworte Mails und Gästebuch-Einträge; ich muss meine Energie ausnutzen, wenn ich Lust zu irgendwas habe ... und gerade ist mir nach "schreiben". 

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08.07.2010 - Kurzhaarschnitt ist angesagt !


Nach einem kurzen Besuch bei meiner Hausärztin zwecks Terminabsprache nächste Woche (Blutbild) fahre ich auf dem Rückweg doch tatsächlich beim Friseur vorbei und lasse mich nach einer eingehenden Beratung auf einen "schnittigen" Kurzhaarschnitt ein (meiner Perücke ähnlich). Nach dem Waschen, Schneiden, Tönen, nochmals Waschen, Kuren, Föhnen, Sprayen und Kneten lasse ich mir noch eine wohltuende Gesichtsmaske aufschwatzen und erkenne mich anschließend im Spiegel kaum noch wieder. Jetzt sehe ich wenigstens einigermaßen ordentlich aus und wenn noch mehr Haare ausfallen sollten, kann ich direkt die Perücke aufsetzen; der Unterschied zum eigenen Haar ist nicht mehr so auffällig und es fällt mir dann sicher leichter, den Haarausfall zu verkraften. Um fast 100,- Euro ärmer, aber zufrieden verlasse ich nach zwei Stunden den Friseur-Salon und mache mich auf den Heimweg. Mal sehen, was Joachim sagt, wenn er heute Abend nach Hause kommt ....

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12.07.2010 - Hitzewelle ohne Ende ...


Langsam wird mir diese extreme Hitze doch zuviel. Seit Tagen Temperaturen weit über 30° Celsius und kein Ende der Hitzewelle in Sicht. Vergangenes Wochenende waren wir früh morgens jeweils knapp 3 Stunden im Wald unterwegs (hab' mich trotz Zecken doch wieder "hinreißen" lassen). Nach dem Morgenspaziergang war nicht mehr viel los mit mir; alle Viere weggestreckt und vor sich hingegammelt. Bei so einer Hitze ist, außer ein bisschen PC-Arbeit, einfach nicht mehr "Action" drin ... tztztz

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14.07.2010 - Schon wieder Chemopause


Da mein Onkologe im Urlaub ist, war ich gestern bei meiner Hausärztin zur Blutabnahme. Heute frage ich telefonisch nach den Werten und kriege leider nur "negative" Ergebnisse: Leukos 2.000 und HB-Wert 9,5. Mit solchen Werten ist eine Chemo leider nicht möglich und es muss wieder eine Woche pausiert werden. Bei unerträglicher Hitze vertrödele ich den Tag vor dem Fernseher und danach vor dem Computer ... jede Bewegung oder körperliche Anstrengung läßt den Schweiß in Strömen fließen. Heute Abend soll es Gewitter geben ... hoffentlich !!

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19.07.2010 - Montag ... Bericht vom Wochenende


Das vergangene Wochenende war seeeeehr anstrengend, aber schön. Mein "Sklaventreiber" hat mich am Samstag 3 Stunden durch den Wald gejagt und am Sonntag waren wir sage und schreibe 8 (in Worten: acht) volle Stunden in unserem Wäldchen spazieren und fotografieren. Am Sonntag haben wir so viele neue und sehr interessante "Motive" gefunden, sodass wir total die Zeit vergessen haben und erst nach über 8 Stunden im Wald und mehreren Hundert Fotos nach Hause gefahren sind (die Fotos kommen erst in ein paar Tagen, zuerst will ich ein anderes Projekt abschließen). Abends bin ich dann total fertig ins Bett gefallen und auch heute noch bin ich ziemlich müde; der 8-Stunden-"Marathon" war wohl doch etwas zu viel für meinen "chemo-gebeutelten" Körper. Einen "Trost" habe ich aber: Joachim war gestern genau so müde wie ich !  :-))

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21.07.2010 - Mittwoch ... die letzte Chemo des 3. Zyklus 

 

Endlich: die letzte Chemo des 3. Zyklus kann heute stattfinden. Gestern  Morgen war ich zur Blutbildkontrolle bei meiner Hausärztin, die mir dann am Abend  telefonisch die Werte durchgab: die Leukos stehen bei 3.800 und der HB-Wert bei 10,0. Nach dem Frühstück schlucke ich die vier Vinorelbine/Navelbine-Kapseln mit viel Wasser und mache mich an die Hausarbeit. Nach circa 1 Stunde muss ich feststellen, dass ich "schlapp" werde und lege mich auf die Couch. Den ganzen Tag döse und schlummere ich vor mich hin; auch in meinem Magen grummelt es, hält sich aber in Grenzen. Verschiedene Gedanken gehen mir durch den Kopf... drei Zyklen geschafft = 3/4 der Chemotherapie liegt hinter mir. Noch 1 Zyklus = 4 Chemogaben = 4 Wochen (im günstigsten Fall) und die Chemo ist geschafft. Was kommt danach ? Wie geht es weiter ? Was sagt das nach der Chemo geplante CT ? Ist etwas zu sehen ? Gibt es vielleicht ein Rezidiv ? Wie sieht es aus mit REHA/AHB ? Viele Fragen, die noch beantwortet werden wollen ... aber nicht heute ! Nächste Woche geht es mit dem vierten Zyklus und einer neuen Seite in meinem Tagebuch weiter; bis dahin verabschiede ich mich und wünsche meinen Freunden, Besuchern und treuen "Lesern" ein schönes Wochenende und alles Gute. Tschüß, bis nächste Woche !

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Fortsetzung ---> hier

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