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Mein

 

Lungenkrebs - Tagebuch

 

 

Der Kampf mit einer heimtückischen Krankheit

 

- Wer aufhört zu kämpfen hat schon verloren -

 

 

  Meine Art der Krankheitsbewältigung

 

Tag der ersten Diagnose:

06.11.2009

 

 

 

27. Oktober 2009 - Mein Geburtstag

 

Ich huste jetzt schon seit über einem Jahr... mal mehr und mal weniger. Bereits im Januar 2009 hatte ich wegen des Hustens einen Lungenfacharzt aufgesucht, aber er konnte trotz Röntgen, Abhören und Lungenfunktionstest nicht feststellen, woher dieser nervige Husten kommt und tippte deshalb auf ein Magenproblem (Reflux), das den "Hustenreiz" angeblich verursacht. Während des Frühlings und Sommers 2009 hielt sich der Husten mehr oder weniger in Grenzen und ich fand mich irgendwie damit ab, ab und zu einen Hustenanfall zu haben ... bis Anfang Oktober. Der Husten quälte mich regelrecht, vor allem bei Belastung wie beim Treppensteigen, Sprechen während des Gehens und im Liegen (Schlafen). Mein Geburtstag, der 27. Oktober 2009 ist, wie sich im Nachhinein herausstellt, mein vorläufig letzter Arbeitstag.

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28. Oktober 2009 - Besuch bei der Hausärztin

 

Ich huste wie verrückt und fühle mich total elend und deshalb entschließe ich mich endlich, meine Hausärztin aufzusuchen. Nach einer kurzen Untersuchung diagnostiziert sie eine hochgradige Bronchitis, verschreibt mir ein Antibiotikum und Hustenlöser-Tabletten und schreibt mich "vorerst" eine Woche krank.

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01. November 2009 - Erstickungsanfälle

 

Dieses Wochenende wird mir sehr lange in Erinnerung bleiben. Mein Mann Joachim ist über das Wochenende und noch bis Montag Abend zu einer großen Familienfeier in seine Heimatstadt gefahren. Ich hatte aus gesundheitlichen Gründen ein paar Tage vorher abgesagt und schlage mich nun mutterseelenallein mit meiner "Bronchitis" bzw. regelrechten Erstickungsanfällen herum. Die Nacht auf den 1. November ist die erste Nacht, in der ich zum Schlafen ins Wohnzimmer gehe und auf dem Sofa im Sitzen mehr schlecht als recht schlafe. Drei weitere Nächte dieser Art folgen; die Luftnot wird immer schlimmer und jede Bewegung strengt unendlich an.

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04. November 2009 - Nächster Besuch bei der Hausärztin

 

Die "Bronchitis" ist trotz Antibiotikum und Hustenlöser-Tabletten schlimmer geworden. Mit nachdenklichem Gesichtsausdruck werde ich von meiner Ärztin erneut abgehört, abgeklopft und befragt. "Mit Ihrer Lunge stimmt was nicht ! Sie müssen unbedingt zum Lunge-Röntgen ambulant ins Krankenhaus und anschließend entscheiden wir dann, wie es weitergeht." Mit einem Überweisungsschein bewaffnet, mache ich mich auf den Weg ins Friedberger Krankenhaus. Ein leicht bergan gehender kurzer Fußweg wird zur Herausforderung ... ich kriege kaum Luft und muss mehrmals stehen bleiben, um Luft zu schnappen. Das Röntgen geht nach einer ewigen Wartezeit schnell und ebenso schnell kommen die Worte der Röntgen-Ärztin: "Sie haben einen Pleuraerguss im rechten Lungenflügel. Es muss unbedingt abgeklärt werden, woher der kommt; Sie sollten unbedingt sofort in ein Krankenhaus zu weiteren Untersuchungen."

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05. November 2009 - ... und wieder ein Besuch bei der Hausärztin


Besprechung des zugefaxten Röntgenbefundes. Der rechte Lungenflügel ist fast zur Hälfte mit Flüssigkeit zugelaufen ( -> Bild 1) und das ist der Grund, warum ich solche Luftnot habe. Meine Hausärztin empfiehlt mir, mich sofort ins Krankenhaus einweisen und eine gründliche Untersuchung vornehmen zu lassen. Ich stimme zu, mich am nächsten Morgen im Bürgerhospital Frankfurt vorzustellen. Am Nachmittag hole ich noch schnaufend aus dem Friedberger Krankenhaus die Röntgenaufnahmen, die sie mir am Vortag nicht mitgeben wollten ( -> Bild 1). Die mehr oder weniger schlaflose Nacht verbringe ich wieder sitzend im Wohnzimmer...

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06. November 2009 - Tag der ersten Diagnose, Bürgerhospital Frankfurt

 

Morgens um 8:00 Uhr Anmeldung im Bürgerhospital. Gleich bei der Anmeldung volles Programm über mehrere Stunden: Blutdruck, EKG, Braunüle setzen, Blutabnahme, Untersuchungen und Befragungen durch mehrere Ärzte. Mein Mann Joachim ist Gott sei Dank immer an meiner Seite (hat sich extra Urlaub genommen). Dann die vernichtende erste Diagnose durch den Chefarzt:

 

"Es bringt nichts, drumherum zu reden, aber Sie haben einen bösartigen Tumor in der Lunge."   *peng* 

 

"Wir müssen erstmal die Flüssigkeit ablassen (punktieren), damit wir danach per CT mit Kontrastmittel den Umfang des Tumors in der Lunge ermitteln können."   ... und nochmal *peng*

 

 

Am Nachmittag dann die Pleura-Punktion. Die Ärzte haben Schwierigkeiten, die dickflüssige, ziemlich blutige Flüssigkeit durch die Hohlnadeln zu ziehen und brauchen mehrere Versuche, bis vorerst 1,2 Liter Flüssigkeit abgesaugt sind. Fast schlagartig hört der Husten auf und ich fühle mich besser ... unglaublich, wie stark die Flüssigkeit im Lungenflügel mein Wohlbefinden beeinträchtigt hatte. Wieder Gespräch mit den Ärzten: es ist definitiv ein bösartiger Tumor im rechten Unterlappen mit der Größe 5,0 x 3,5 x 4,8 cm. Vorläufige Tumorklassifikation (nach den bisherigen CT- und Röntgen-Befunden): T4, N1, MX  Am kommenden Montag ist eine Bronchoskopie vorgesehen, um die Art des Tumors abzuklären. Erst dann kann eine entsprechende Therapie eingeleitet werden. Es steht also fest: ich habe einen schon recht weit fortgeschrittenen Lungenkrebs und das, obwohl ich seit 26 Jahren nicht mehr rauche ...

Gegen Abend Bezug des Zimmers auf der Station. Vom Stationsarzt wird mir in Aussicht gestellt, ab Samstag Mittag das restliche Wochenende zu Hause mit und bei meinem Mann zu verbringen, da am Wochenende eh keine Untersuchungen gemacht werden. Am Abend wird Joachim und mir die Tragweite der Diagnose bewußt; wir trösten uns gegenseitig und halten uns aneinander fest... bis Joachim auf einmal sagt: "Ich weigere mich zu glauben, dass dieser Krebs dich unterkriegt ! Wir werden gemeinsam kämpfen und du schaffst das !  Du bist stark und gibst diesem Mistkerl einen auf den Deckel, dass ihm hören und sehen vergeht ! Du hast es jetzt schon zweimal geschafft, also packst du es auch ein drittel Mal !" (1991 hatte ich Gebärmutterhalskrebs / 2 OPs und im Jahr 2005 Schwarzen Hautkrebs / 2 OPs).

Die erste Nacht nach der Diagnose, allein im Krankenhaus, ist unruhig und voller banger Gedanken. Was kommt jetzt noch alles auf mich zu ? Gibt es in meinem Fall eine Erfolg versprechende Therapie ? Ist es vielleicht eine Metastase von einer der vorherigen Erkrankungen ? Ich habe Angst ...

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07.  und 08. November 2009 - Wochenende zu Hause 

 

Nach der Visite und mit Einverständnis der Ärzte holt mich mein Mann ab und wir verbringen ein sehr schönes Wochenende. Wir feiern unseren "Jahrestag": heute vor 24 Jahren haben wir uns kennengelernt ! Vielleicht ist das ja ein gutes Omen ?  Joachim schafft es, mich wieder aufzubauen und "einzunorden". Ja, ich werde mit aller Kraft kämpfen und mich von diesem elenden "Schalentier" nicht unterkriegen lassen. Am Sonntag Abend melde ich mich im Bürgerhospital Frankfurt zurück für die geplante Bronchoskopie am Montag Morgen.

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09. - 13. November 2009 - Stationäre Untersuchungen im Bürgerhospital, Frankfurt

 

09.11.2009

Sonographie (Ultraschall) des Bauchraumes und der Lunge und anschließend Bronchoskopie. Leider ist per Bronchoskopie kein Zugriff auf den Tumor  möglich, da er relativ weit außen im Lungengewebe liegt; deshalb soll demnächst eine Lungenpunktion (Gewebeentnahme von außen) gemacht werden. Am Nachmittag noch ein EKG und eine Echokardiographie.

 

10.11.2009

Erneute Pleura-Punktion, da inzwischen wieder Flüssigkeit nachgelaufen ist und die Flüssigkeit jetzt auch noch untersucht werden soll (war wegen des Wochenendes mit der "alten" Flüssigkeit vom Freitag nicht möglich). Es werden diesmal 300 ml abgesaugt. Am Nachmittag zur Kontrolle nach der Punktion wieder Sonographie (Ultraschall) der Lunge. Am späten Nachmittag dann noch CT des Kopfes; Gott sei Dank gibt es "keinen Hinweis auf path. usw. Veränderungen". Mit meinem Kopf scheint also alles noch okay zu sein. Na, wenigstens etwas...

 

12.11.2009

Am Vormittag Lungenpunktion (Biopsie). Normalerweise wird im Bürgerhospital unter Vollnarkose punktiert, aber liegend kommt man nicht an meinen Tumor heran, deshalb werde ich nur ein bisschen "müde" gemacht und muss das Ganze im Sitzen, festhaltend an einer Krankenschwester, über mich ergehen lassen. Zwei Gewebeproben werden entnommen. Am Nachmittag Blutentnahme zur Prüfung, ob innere Blutungen durch die Biopsie entstanden sind. Es ist aber alles okay.

 

13.11.2009

Das vorläufige Ergebnis der Gewebeuntersuchung aus der Biopsie ist da: ein nicht-kleinzelliger Tumor, wahrscheinlich ist es ein so genanntes "Plattenepithelkarzinom"; demnach auf jeden Fall ein eigenständiger Tumor und keine Metastase. Abschlussgespräch mit der Stationsärztin. Die Untersuchungen sind vorläufig abgeschlossen und das Bürgerhospital kann jetzt nichts mehr für mich tun. Ich werde entlassen mit den Worten: "Am Montag setzen wir uns mit der HSK, Wiesbaden in Verbindung. Die dortige Thoraxchirurgie ist derzeit die beste Adresse für Lungen-Operationen in Deutschland; wenn jemand etwas für Sie tun kann, ist es Professor Dr. Schirren von der HSK. Wir melden uns am Montag bei Ihnen und geben Bescheid, ob und wann Sie sich dort vorstellen können."  Da es leider nicht sicher ist, ob mein Tumor operabel ist (Metastasen?, Pleurakarzinose?), soll jetzt in der HSK mittels einer "kleinen" OP geklärt werden, was in mir drinnen los ist. Ein langes Wochenende des Wartens, Bangens und Hoffens steht mir bzw. uns bevor.

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16. November 2009 - Der versprochene Anruf ...

 

... aus dem Bürgerhospital kommt am Nachmittag: ich darf mich in der HSK, Wiesbaden vorstellen und Prof. Dr. Schirren will mich für eine Thorakoskopie aufnehmen. Morgen soll ich die Unterlagen und CTs aus dem Bürgerhospital holen und in die HSK mitnehmen.

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18. - 26. November 2009 - Stationäre Untersuchungen und "kleine" OP in der HSK, Wiesbaden

 

18.11.2009

Aufnahme in die HSK. EKG, Röntgen, Blutabnahme und mehrere Gespräche mit Ärzten und Helfern über die bevorstehende OP. Bezug eines 2-Bett-Zimmers. Meine Zimmergenossin ist eine sehr nette ältere Dame, mit der ich mich auf Anhieb blendend verstehe. Joachim ist den ganzen Tag an meiner Seite und fährt erst am Abend zurück nach Hause. Schon morgen soll der Eingriff stattfinden, der entscheidet, ob mein Tumor operabel ist und ob ich eine Chance auf Heilung habe...

 

19.11.2009

Um 09:15 Uhr werde ich zur Thorakoskopie abgeholt. Im Bett liegend werde ich vom 5. Stock in den Keller gefahren, wo sich die OP-Säle befinden. Es kommt mir vor wie der Weg zum Schafott (die Angst beflügelt da wohl meine Phantasie). Schon 2 Stunden später wache ich im "Aufwachzimmer" auf. Mir geht es bis auf eine leichte Schläfrigkeit gut und deshalb komme ich nach einer Wartezeit von ca. 2-3 Stunden und mehrmaliger Überprüfung meiner Werte direkt wieder auf mein Zimmer auf der Station und nicht (wie normalerweise in solchen Fällen) auf die Wachstation. Das einzig Störende ist der Drainageschlauch mit dem angehängten "Tank", der die Wundflüssigkeit aus der Lunge saugt und erst abgeklemmt und gezogen werden kann, wenn keine Flüssigkeit mehr nachläuft. Am Nachmittag wird eine Röntgenaufnahme gemacht; es wird geprüft, ob der Schlauch richtig sitzt und ob der "Luftdruck" in der Lunge stimmt. Am Abend werde ich aus meinem Bett gescheucht: "Aufstehen, Laufen, Bewegen" ist die Devise... und es klappt zu meinem Erstaunen problemlos.

 

22.11.2009

Der Drainageschlauch wird vom "Tank" abgeklemmt. Sollte morgen das Röntgen okay sein, kann der Schlauch gezogen werden.

 

23.11.2009

Vormittags Röntgen. Am Abend kann endlich dieser blöde Schlauch gezogen werden. Da das ohne Betäubung gemacht wird, habe ich ein bisschen Bammel davor... was sich dann als unnötig erweist, denn das Schlauchziehen geht schnell und ist fast schmerzlos.

 

24.11.2009

Gleich morgens um 8:00 Uhr ist Chefarztvisite. Das Zwischenergebnis der Gewebeuntersuchung ist da: die Ablagerungen auf dem Rippenfell (Pleura) sind keine Krebs-Metastasen, sondern Reste einer "Pleuritis" (Rippenfellentzündung), die mit dem Tumor nichts zu tun hat. Jetzt ist klar: mein Tumor ist operabel und die große OP soll nach einer kurzen Erholungsphase in ungefähr 2 bis 3 Wochen stattfinden. Die Tumor-Klassifizierung wird neu festgelegt: cT3, N1, G3, MX  Ich könnte vor Freude heulen... meine Chance auf Heilung ist wieder um ein paar Prozent gestiegen !!

 

25.11.2009

In Vorbereitung auf die große OP werde ich zum Belastungs-EKG und zum Lungenfunktionstest unter Belastung geschickt. Beide Tests verlaufen sehr zufriedenstellend und der OP steht nun nichts mehr im Wege. Morgen darf ich bis zum 06.12.2009 nach Hause. Am 08.12.2009 soll dann die ca. 5-6 stündige OP gemacht werden. Mir wird nahegelegt, Atemübungen (-> Bild 2) zu machen und mich, wenn es geht, "konditionsmäßig" auf die OP vorzubereiten... nichts lieber als das !

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30. November 2009 - Besuch bei der Hausärztin ...

 

... zum Fädenziehen; außerdem übergebe ich den Arztbrief der HSK und sie stellt mir die KH-Einweisung für den 07.12.2009 aus.

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07. - 18. Dezember 2009 - Der Countdown läuft ... stationärer Aufenthalt zur "großen" OP in der HSK, Wiesbaden

 

07.12.2009

Morgens um 7:00 Uhr machen wir (Joachim und ich) uns auf den Weg nach Wiesbaden in die Klinik. Aufnahmeformalitäten werden erledigt; danach Blutabnahme, Lungenfunktionstest und Röntgen. Ein ausführliches Aufklärungsgespräch und ein Gespräch mit der Anästhesistin folgen. Am späten Nachmittag statten mir die Oberärztin und Professor Dr. Schirren noch einen Besuch ab und wir sprechen über die bevorstehende Operation.

 

08.12.2009

Heute soll eigentlich operiert werden, aber bei der Visite um 8:30 Uhr teilt man mir mit, dass die OP vermutlich nicht stattfinden kann, da ein kompletter OP-Saal wegen Krankheit des OP-Personals geschlossen werden musste. Ich soll mich aber trotzdem bereit halten (also auch nüchtern bleiben), denn eventuell kann durch umstellen des OP-Plans meine OP doch durchgeführt werden. Sie wollen es versuchen...  Um 15:00 Uhr steht fest: meine OP muss leider auf morgen verschoben werden; um 15:15 Uhr bekomme ich mein Mittagessen. Das Warten bis morgen erscheint mir endlos...

 

09.12.2009

Tag der großen OP !  Abholung (wieder in den Keller) um ca. 13:00 Uhr. In einer über 5-stündigen Operation werden mir (wie sich später herausstellt) zwei eigenständige Tumore, 61 Lymphknoten, ein Teil des rechten Oberlappens und der komplette rechte Lungen-Unterlappen entfernt. Um 20:00 Uhr werde ich auf der Wachstation wach. Circa 10 Minuten später steht Joachim neben meinem Bett und versichert sich, dass ich noch lebe. :-)  Kurze Zeit später besuchen uns noch Prof. Dr. Schirren und zwei Oberärzte. Sie versichern uns, dass die OP ohne Komplikationen verlaufen ist und der Tumor und alle betreffenden Lymphknoten restlos entfernt werden konnten. Ich bin sehr müde und schlafe sofort ein, nachdem sich Joachim verabschiedet hat. Schmerzen habe ich keine, nur die Drainage-Schläuche stören ein bisschen, wenn ich mich bewege. In dieser Nacht habe ich das 2-Bett-Zimmer für mich allein.

 

10.12.2009

Noch in der Nacht werde ich im Bett liegend geröntgt. Am Morgen dann das erste Aufstehen, das sich mit den ganzen Schläuchen im Körper (Blasen-Katheder, 2 Lungen-Drainagen) recht umständlich gestaltet. Mir ist ein bisschen schwindlig, weil mein Blutdruck ziemlich abgesackt ist, aber ansonsten geht es mir prima. Von Schmerzen keine Spur ... die 4 x täglich verabreichten Schmerzmittel sind anscheinend genau richtig dosiert. Ab Mittag beginne ich bereits mit der Atemtherapie, um das durch die OP verminderte Lungenvolumen wieder zu erhöhen. Am Nachmittag bekomme ich eine Zimmergenossin, mit der ich mir später dann auch auf der "Normal"-Station bis zum Schluss das Zimmer teile; wir verstehen uns super gut und lachen viel miteinander. Einerseits tut das Lachen weh, aber es tut andererseits auch gut, miteinander lachen zu können. Röntgenkontrolle am späten Nachmittag; alles okay. Einer von den beiden Drainage-Schläuchen wird gezogen. Es ist zwar nicht besonders angenehm, aber es tut auch nicht weh. Gegen Abend werde ich endgültig "mobilisiert" und erwarte im Sessel sitzend Joachim's Besuch. Wir sind beide richtig stolz auf mich. :-)  Später schaut noch Prof. Dr. Schirren vorbei; auch er ist mit dem OP-Verlauf sehr zufrieden.

 

11.12.2009

Heute, am 2. Tag nach der OP komme ich zurück auf die "Normal"-Station. Der Blutdruck ist noch etwas niedrig, aber ansonsten ist alles prima okay. Endlich kann ich das "Engelhemdchen" ausziehen und wieder in meine eigenen "Klamotten" schlüpfen... wieder ein Schritt geschafft. Am Nachmittag Verbandswechsel und wieder eine Röntgenkontrolle. Ich mache fleißig alle 2 Stunden Atemtherapie. Abends spaziere ich zusammen mit Joachim und meinem "Tankwagen" auf dem Gang entlang. Heute Nacht habe ich das Zimmer für mich allein; erst morgen Mittag bekomme ich meine Zimmergenossin (von der Wachstation) wieder.

 

12.12.2009

Die letzte Nacht war ziemlich schlaflos, da mich neuerdings ein nerviger Reizhusten quält. Die Ärzte und Pfleger bestätigen mir, dass das "Abhusten" nach der OP okay ist und sogar gewünscht wird. Naja, wenn das Husten mein einziges Problem ist und bleibt, kann ich ja noch froh sein. Ich habe so gut wie keine Schmerzen, während einige Patienten mit der gleichen Operation sich vor Schmerzen krümmen und ständig höhere Schmerzmitteldosen benötigen; bei mir können die Schmerzmittel zum Teil sogar reduziert werden. Ich bin meinem Körper dankbar, dass er so gut mitspielt. Am Nachmittag wird meine Zimmergenossin von der Wachstation wieder auf die Station zurück gebracht und zu mir ins Zimmer; auf beiden Seiten ist die Wiedersehensfreude groß. :-)

 

13.12.2009

Der große "Tankwagen" wird heute ersetzt durch ein "Handtäschchen". Jetzt bin ich wieder ein Stück beweglicher und kann sogar am Nachmittag mit Joachim ins Klinik-Café gehen und im Zeitungsladen Zeitschriften kaufen. Ich fühle mich jeden Tag besser, nur der Nerv-Husten ärgert mich ein bisschen.

 

14.12.2009

Nachts spielt die Drainage-Pumpe verrückt; nach dem dritten Alarm spült der Nachtpfleger den Schlauch, danach ist endlich Ruhe. Morgens um 5:30 Uhr läßt mich der Husten nicht mehr schlafen. Um meine Zimmergenossin nicht zu stören, hole ich mir einen Kaffee, setze mich in die Besucherecke und lese Zeitung. Bei der Visite am Vormittag wird entschieden, dass der Drainage-Schlauch heute "geklemmt" wird. Wenn morgen beim Röntgen alles in Ordnung ist, wird der Schlauch endgültig gezogen.

 

15.12.2009

Morgens zum Röntgen. Es ist alles in Ordnung und der Drainage-Schlauch wird am Mittag gezogen. Die Prozedur kenne ich ja schon und das Ziehen geht problemlos vonstatten. Mein Husten und die OP verursachte Kurzatmigkeit werden langsam besser. Jetzt heißt es warten auf das Ergebnis der Histologie.

 

16.12.2009

Morgens wieder zum Röntgen; alles okay. Bei der Visite bekomme ich gesagt, dass mein "Zustand" nach der OP so gut ist, dass ich nach Hause kann, sobald das Ergebnis der Histologie da ist und die weitere Therapie besprochen werden kann. Jetzt ist wieder warten angesagt. Um mir die Zeit zu vertreiben, mache ich "Konditionstraining" im Treppenhaus der Klinik: sieben Tage nach der OP schaffe ich schon ein ganzes Stockwerk. Morgen, am Tag 8 werden es schon 2 Stockwerke sein ...

 

17.12.2009

Bei der Visite am Vormittag wird mir von Prof. Dr. Schirren erklärt, dass die Histologie "widersprüchlich" ist und er meinen Fall und die weitere Therapie erst heute Nachmittag im sogenannten Tumorboard (Tumorkonferenz) besprechen will. Langsam stellen sich bei mir sämtliche Antennen auf: was ist da los ? Irgendwas stimmt nicht mit dem Befund ...

 

18.12.2009

Tag der Entlassung und somit Besprechung des Gewebebefundes und der weiteren Therapie. Ein Oberarzt erklärt mir, dass zusätzlich zu meinem großen Tumor ein weiterer eigenständiger kleiner Tumor gefunden wurde, der gleich mit entfernt werden konnte (und mit ihm ein Teil des rechten Oberlappens). Desweiteren wird die vorhergehende Diagnose des Bürgerhospitals revidiert: es war kein Plattenepithelkarzinom, sondern zwei Adenokarzinome (was allerdings für die Therapie bzw. OP keine Bedeutung hat bzw. hatte). Das "dicke" Ende kommt aber noch: der Tumor hatte schon in 10 Lymphknoten (von insgesamt 61 entfernten LK) metastasiert und sogar teilweise die Kapseln der LK gesprengt; außerdem waren auch einige LK des anderen Lungenflügels betroffen. Mir wird dringend geraten, mich sicherheitshalber ab Januar einer mehrwöchigen Strahlen-therapie (Brustraum) und danach einer 4-monatigen Chemotherapie zu unterziehen (adjuvant). Er nennt mir gleich einen Onkologen in Bad Homburg und macht später noch einen Termin für mich. Am 05.01.2010 geht es los !

 

Die Klassifikationen der beiden entfernten Tumore lauten: 

Adenokarzinom = pT2, pN3 (10/61), M0, R0, G3 (Stadium IIIb)   und   Adenokarzinom = pT1, pN0, M0, R0, G1

 

Mir schwirrt der Kopf und ich bin ziemlich niedergeschlagen, als Joachim mich abholt. Wir setzen uns erstmal ins Café der Klinik und diskutieren "die Lage". Joachim schafft es wieder, mir Mut zu machen und mich zu motivieren. So leicht lassen wir uns doch nicht unterkriegen !!! Die Fahrt im Auto nach Hause verläuft (bei heftigem Schneesturm) schweigsam und "in Gedanken".

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19.12. 2009 - Die Stahlklammern werden entfernt

 

Heute fahren wir wieder zur HSK nach Wiesbaden, um die verbliebenen 40 Stahlklammern in meinem Rücken entfernen zu lassen (es sind jetzt 10 Tage nach der OP). Der große, ca. 30-40 cm lange Schnitt war einfach "zusammengetackert" worden (-> Bilder 3+4); das Entfernen klappt kurz und schmerzlos und man merkt, dass die Schwester das schon öfter gemacht hat. Nach fünf Minuten ist alles vorbei und Joachim und ich gönnen uns ein leckeres Eis im Klinik-Café, bevor wir uns auf den Weg zurück nach Hause machen.

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21.12.2009 - Wieder ein Besuch bei der Hausärztin

 

Um mir die von der Klinik aufgeschriebenen Medikamente (Schmerzmittel, Magentabletten, Inhalations-Mittel) verschreiben zu lassen, muss ich nochmal zur Hausärztin. Ich übergebe ihr den Arztbrief und wir besprechen die mit der HSK vorab besprochene weitere Therapie. Am 04.01.2010 muss ich mir noch von ihr einen Überweisungsschein für den Onkologen holen. Mit den besten Wünschen für das neue Jahr trennen wir uns heute.

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29.12.2009 - Zug der Drainage-Fäden

 

Heute fahren wir das vorerst letzte Mal nach Wiesbaden in die HSK; die Drainage-Fäden müssen gezogen werden. Alles geht schnell und reibungslos und wir machen uns (nach dem obligatorischen Eis im Klinik-Café) auf den Rückweg nach Hause. Mit dem heutigen Tag ist das Kapitel "Lungen-Operation" vorerst abgeschlossen und das neue Jahr und neue Herausforderungen können kommen. :-))

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Fortsetzung ---> hier

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